Der Name Leingang


Den folgenden Beitrag zu diesem Thema habe ich im Internet gefunden, eingefügt mit freundlicher Genehmigung des Autors , Hansjörg Groenert
Fachleiter für Biologie am Staatl. Studienseminar für das Lehramt an
Gymnasien in Rheinland-Pfalz ,56076 Koblenz, Hermannstrasse 12


leinpf2
treidst2

Unsere Schule steht direkt am Leinpfad, dem ehemaligen Treidelweg längs des Rheinufers. Vor dem Eintritt der Dampfkraft in den Dienst der Schiffahrt wurden die Lastkähne von Pferden, die über diesen Leinpfad geführt wurden, an Seilen (Leinen) flußaufwärts gezogen. Dort wo die Kirchgasse in Pfaffendorf auf den Rhein führt, sieht man heute noch bei Niedrigwasser (< 100cm) einen Treidelstein, an dem ein schwimmendes Faß (Tonne) mit einem Ring angekettet war, an dem die Treidler ihre Schiffe befestigten, wenn sie in Pfaffendorf eine Pause einlegten, um in der Kirche mit einem Kerzenopfer für die bisher überstandene Reise zu danken und sich und die Pferde zu stärken. In Speyer hörte der Leinpfad auf und Menschenkraft trat an die Stelle der tierischen.
Flußabwärts wurde gesegelt oder man ließ die Schiffe mit der Strömung treiben. Die Fließgeschwindigkeit des Rheins beträgt vor unserer Schule bei mittlerem Wasserstand etwa 8 km/h .


Soweit der Beitrag von H.J. Groenert


Zu diesem Thema hier noch die beiden Bilder der  “Wolgatreidler “ des Russischen Künstlers Ilja Repin  ( 1844 - 1930 ). Die beiden Bilder zeigen das Treideln von Schiffen auf der Wolga, wobei  nicht nur im optischen, sondern auch im künstlerischen Ausdruck die  Menschen im Vordergrund standen . Sicher waren politisch-sozialkritische Aspekte das Thema, das  Ilja Repin hier kunstvoll ins Bild gesetzt hat.  Man glaubt förmlich die Anstrengung und die volle Härte dieses Jobs zu spüren, der diesen Menschen auferlegt war.

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Eine Besucherin dieser Webseite , Frau Uta Brauer aus Berlin, hat  auf Grund verschiedener Einzelheiten den Eindruck, daß auf den beiden Bildern von Ilja Repin die Schiffe nicht vorwärts, sondern  rückwärts getreidelt wurden. Das würde zwar den anderen Quellen über das Treideln widersprechen, aber ich kann dies auch nicht widerlegen, weil ich kein Experte bin. Vielleicht kann ein  weiterer Besucher dieser

repin_treidlerinfurth-b03

Seite hierzu etwas sagen??       Über weitere  Rückmeldungen würde ich mich freuen.


H.B. Rosenberger aus Stuttgart meint zu diesem Thema, daß das Rückwärtstreideln durchaus sinnvoll ist,  Zitat:

 “ weil das Ruder dann, flussauf gesehen, vorne angeströmt wird.  So lässt sich das Schiff gegen die Strömung besser vom Ufer fernhalten, da genügt ein wesentlich geringerer Rudereinschlag, man "bremst" das Schiff weniger ab,  als wenn man "Vorwärts" treideln würde. “  Ende des Zitats aus seiner e-mail.


Herr Jan Philipp Gölz aus Hilden ( b. Düsseldorf) schrieb mir zu der Frage, ob die Wolgaschiffe evtl. rückwärts getreidelt wurden u. a. folgendes:
" Die Schiffe damals waren teilweise sogar von Flussabschnitt zu -abschnitt verschieden. Am Rhein gab es so z.B. auf der Strecke zwischen Köln und Mainz die Schiffsform des " Oberländers ". Dieses Schiff fuhr zwar vorwärts, hatte aber trotzdem vorne und hinten ein Ruder. Jedoch es ist nur ein Rheinschiff und sieht dem abgebildeten Schiff nicht annähernd ähnlich.
Ich denke, daß man lediglich irritiert wird durch die Form und Gestaltung des Bugs. Denn es erinnert an die geschmückten Hecks, die man in Piratenfilmen an den Schiffen sieht.
Ich meine, es handelt sich um eine damalige Schiffsform der Wolga, die man eher nicht mit Schiffen von heute vergleichen sollte. Es sieht zwar wie das Heck aus, aber das kommt wohl eher von unserer Vorstellung über moderne Schiffe. Der "Oberländer " sieht wohl auch eher aus wie ein Holzschuh, als wie ein Schiff."
Soweit das Zitat aus seiner Mail


Herr Schmidt-Formann aus Hamm an der Lippe hält es für durchaus möglich, daß auf dem Bild von Ilja Repin das Schiff aus praktischen Gründen rückwärts getreidelt wurde.
Er schrieb mir u.a. folgendes zu diesem Thema:
(Zitat): Auf dem ersten Bild des Künstlers Ilja Repin ist zu erkennen, dass der Segelbalken (ich bin kein Segler, sicherlich gibt es hier eine fachlich richtige Bezeichnung) hinter dem Masten liegt, insofern wird dieses Schiff rückwärts gezogen. Ich möchte die Theorie aufstellen, dass diese "Taktik" im Zusammenhang mit schlechten Wendemöglichkeiten in den sich verjüngenden Oberläufen der Flüsse stehen könnte. So stehen die Schiffe nach dem Beladen im Oberlauf schon in der richtigen Richtung.
(Ende Zitat )
Ich glaube, dies ist von der praktischen Seite her ein durchaus schlüssiger Gedanke und würde mich freuen, weitere Meinungen dazu zu hören.


Herr Friedhelm Lang ist der Meinung, daß auf den Bildern von Repin die Schiffe vorwärts getreidelt werden. Er schreibt ( Zitat):....Wenn Sie sich die Bilder genau anschauen, sehen Sie, dass am Heck eine Person das sogenannte Helmholz (Ruderpinne) bedient. Mit diesem wird das Ruder betätigt. Vorne ist auf beiden Bildern kein Ruder zu erkennen. Also werden die Schiffe mit Bug voraus getreidelt. ( Ende Zitat )
Ich habe mir die Bilder nochmals genauer angesehen und denke, daß Friedhelm Lang Recht haben könnte. Was den Laien - wie auch mich -  sehr irritiert, ist die flache Form des Schiffsbugs, die eher für ein Heck gehalten werden könnte. Aber vielleicht war das zu dieser zeit die typische Schiffsform für diesen Bereich der Wolga, so wie es bereits Jan Philipp Gölz weiter oben beschrieben hat.


03.06.2009 

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